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Hinweispflicht auf Steuerberater im Familienrecht-Mandat

In Bezug auf das Hinzuziehen von einem Steuer­berater besteht Hinweis­pflicht

Anwälte sind selbst bei einem Mandat, das sich auf die zivilrechtliche Beratung beschränkt, dazu verpflichtet, auf die steuerlichen Unwägbarkeiten bei einer etwaigen Übertragung des Grundstücks hinzuweisen. Auch sollen sie ihre Klienten darauf aufmerksam machen, dass sie bei diesem Unterfangen einen Steuer­berater einschalten können. Dies gilt vor allem in Bezug auf das Famili­en­recht – hier kommt es im Zuge einer Ehescheidung oft zu einer Eigentumsübertragung, die der Unterstützung durch einen Steuer­berater bedarf.

Wann ist eine Hinweispflicht seitens der Anwälte gegeben

Wurde einem Allgemeinanwalt ein Mandat erteilt, ist darin nicht die Belehrung und Beratung in Bezug auf Steuern enthalten. Allerdings ist es seine Pflicht, zu erkennen, ob steuerlich bedeutsame Fragestellungen gegeben sind. Die Beratung muss er zwar nicht selbst übernehmen, allerdings sollte er seine Klienten an einen Steuer­berater verweisen. Dies gilt beispielsweise auch für eine Scheidungsfolgenvereinbarung im Famili­en­recht, bei der die Übertragung von Grundeigentum stattfindet. Denn in diesem Fall kann es für den Auftraggeber zu einer steuerlichen Belastung kommen. Mithilfe vom Steuer­berater lässt sich die richtige Vorgehensweise im Famili­en­recht festlegen.

Eine umfassende Beratung schützt vor Schadensersatzklagen

Weist der Anwalt seinen Klienten nicht darauf hin, dass er einen Steuer­berater hinzuziehen sollte, kann dies eine Schadensersatzklage nach sich ziehen. Denn als Experte hat er in diesem Bereich eine Hinweis­pflicht. Kommt er ihr nicht nach, können für den Klienten ohne Steuer­berater finanzielle Schäden entstehen.

Erst vor Kurzem entschied das Oberlan­des­gericht Rostock zugunsten einer Klägerin. Sie hatte mit ihrem Ehemann eine Trennungs- und Scheidungsfolgenvereinbarung, die notariell beurkundet war, getroffen. Um den Gewinnausgleich abzugelten, verpflichtete sie sich an ihren Ehemann eine Zahlung von 40.000 Euro zu tätigen und ein Mietshaus zu übereignen. Gleichzeitig war die Klientin bereits Eigentümerin eines weiteren Mietshauses. Im Zuge dieser Vereinbarung, ließ sie sich von einem Anwalt beraten. Aufgrund des Veräußerungsgewinns des bei der Klägerin verbliebenen Mietshauses von 95.976 Euro, wurde seitens des Finanzamts eine Steuer in der Höhe von 40.272,27 Euro festgesetzt. Daraufhin veranlasste die Eigentümerin ein Wertermittlungs­gutachten, das einen geringeren Verkehrswert des Grundstücks ermittelte. Infolgedessen wurde die Steuer vom Finanzamt auf 19.006,50 Euro ermäßigt.

Die finanzielle Belastung hätte vermieden werden können, wenn die Mandantin ihr zweites Mietshaus, für welches die Spekulationsfrist bereits verstrichen war, dem Ehemann übereignet hätte. Ein Steuer­berater hätte sie auf diesen Sachverhalt hingewiesen, wobei der Anwalt seiner Hinweis­pflicht im Famili­en­recht nicht nachgekommen ist.

Welche Hinweis­pflicht besteht außerhalb des Mandats?

Zu Hinweisen und Warnungen können Anwälte außerhalb des eigenen Vertragsgegenstandes, bei einem beschränkten Mandat, verpflichtet sein. Doch dafür müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein:

  • Dem Anwalt ist die drohende Gefahr für seinen Klienten bekannt oder offenkundig. In diesem Fall drängt sich der Verweis an einen Steuer­berater bei einer sachgemäßen Bearbeitung des Sachverhalts auf.
  • Es besteht seitens des Experten die Annahme, dass sich der Mandant der Gefahren im Fall nicht bewusst ist.

Im oben beschriebenen Sachverhalt beim Famili­en­recht, hätte der Anwalt also erkennen müssen, dass für seine Mandantin durch die Übertragung des zweiten Mietshauses steuerliche Nachteile entstehen. Er hätte sie also an einen Steuer­berater verweisen müssen.

Änderungen im Familienrecht in 2020

Da sich unsere Gesellschaft und Wirtschaft kontinuierlich ändern, verändern sich auch Gesetze und unsere Rechtsprechung im Laufe der Zeit. Besonders im Familienrecht kommt es immer wieder zu Neuerungen, auf die sich nicht nur ein Anwalt einstellen muss. Durch die steigenden Lebenshaltungskosten erhöhen sich beispielsweise Unterhaltsgelder und Freibeträge regelmäßig. Die neuesten und wichtigsten Änderungen im Familienrecht für das Jahr 2020 sind hier aufgelistet. Kommt es zu weiteren Fragen und Unklarheiten bei Angelegenheiten, die das Familienrecht betreffen, so ist es außerdem sinnvoll, einen Anwalt zu konsultieren.

Erhöhter Mindestunterhalt für Kinder

Seit dem 01. Januar 2020 gibt es höhere Unterhaltsbeträge für unterhaltspflichtige Eltern. Dadurch, dass die Lebenshaltungskosten gestiegen sind, wurden in diesem Jahr in der “Düsseldorfer Tabelle” höhere Beträge für minderjährige Kinder festgelegt, sie wurden dabei um rund 4,5 % erhöht. Der konkrete Unterhaltsbetrag berechnet sich aus der Altersstufe des Kindes in Zusammenhang mit dem Nettoeinkommen des Elternteils. Für volljährige Kinder erhöhte sich der Beitrag von 735 Euro monatlich auf 860 Euro.

Haben Sie Fragen rund um den Kindesunterhalt? In solchen Fällen ist es ratsam, einen Anwalt für Familienrecht zu Rate zu ziehen.

Kinderzuschlag 2020

Eine weitere Änderung im Familienrecht betrifft den Kinderzuschlag. Familien mit geringerem Einkommen, können bei der Bundesagentur für Arbeit zu dem Kindergeld zusätzlich einen Kinderzuschlag (KiZ) beantragen. Im Zuge des “Starke-Familien-Gesetzes” wurde der Kinderzuschlag pro Kind auf bis zu 185 Euro monatlich erhöht. Außerdem gibt es seit dem 01. Januar 2020 keine obere Einkommensgrenze der Eltern mehr. Bis dahin konnten Eltern ihren Anspruch auf einen Kinderzuschlag verlieren, wenn ihr Einkommen gestiegen ist. Ab dem Jahr 2020 passt sich der Kinderzuschlag an das steigende Einkommen dagegen schrittweise an. Hinzu kommt, dass statt der bisherigen 50% nur noch 45% des Einkommens der Eltern angerechnet wird.

Kinderfreibetrag wurde angehoben

Bei Fragen rundum das Familienrecht kann es auch zu steuerrechtlichen Neuerungen kommen. In diesem Fall betrifft das den Kinderfreibetrag. Der Kinderfreibetrag ist der Betrag, der von dem zu versteuernden Einkommen abgezogen wird, um Eltern bei den Ausgaben für die Kinder steuerlich zu entlasten. Er setzt sich aus dem Bedarf für das materielle Existenzminimum des Kindes und dem Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf zusammen. Dieser Freibetrag wurde nun von 7.620 Euro auf 7.812 Euro erhöht. Wenden Sie sich am besten an einen Anwalt, wenn Sie erfahren wollen, wie Sie Ausgaben für Ihr Kind steuerlich absetzen können.

Ausbildungsunterhalt bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ)

Das Familienrecht änderte sich auch in Bezug auf den Ausbildungsunterhalt bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr. Leistet ein Kind nach der Schulausbildung ein freiwilliges soziales (oder ökologisches) Jahr ab, so hat es nun auch dann einen Anspruch auf Ausbildungsunterhalt, wenn er das freiwillige Jahr für seinen beruflichen Werdegang gar nicht benötigen würde.

Fragen zu Themen aus dem Familienrecht

Zu beachten ist, dass vieler dieser Ansprüche nicht automatisch erfüllt werden. Oft sind erstmals Anträge zu stellen. Insbesondere abgelehnte Bescheide können Fragen über individuelle Probleme im Familienrecht aufwerfen. Diese können am zuverlässigsten von einem Anwalt für Familienrecht beantwortet werden.

Fachanwalt Landucci im Interview zum Thema Familienrecht bei ProntoPro

Für den Blog von ProntoPro, dem marktführenden Online-Marktplatz für Dienstleistungen aus Italien, stand Rechtsanwalt Landucci Frage und Antwort zum Thema “Unterstützung in emotionalen und finanziellen Notlagen”. Denn kommt es zu einer Scheidung, sollten Betroffene einen Rechtsanwalt, bzw. einen Fachanwalt für Familienrecht zu Rate ziehen. Insbesondere dann, wenn es um Streitigkeiten zu Themen wie Vermögensaufteilung, Sorgerecht oder Unterhalt geht. 

Wann ist es empfehlenswert, wegen familiären Konflikten einen Anwalt aufzusuchen?

Im Interview beantwortet Rechtsanwalt Landucci Fragen rund um das Thema Familienrecht, wie beispielsweise: “Wie kann man sich als Privatperson zum Familienrecht informieren?”, “Wann ist es empfehlenswert, wegen familiären Konflikten einen Anwalt aufzusuchen?” und “Warum erleichtert das die Konfliktlösung?”.

zum kompletten Interview auf ProntoPro

Tipps, spannende Interviews und das Neueste aus der Arbeitswelt

Im Blog von ProntoPro findet man regelmäßig interessante Tipps, spannende Interviews und sonstige News aus der Arbeitswelt. ProntoPro ist der Online-Marktplatz, um Dienstleistungsprofis und ihre Kunden zusammenzubringen. ProntoPro wurde 2015 gegründet und ist laut eigenem Bekunden mittlerweile mit rund 300.000 Anbietern, einer Million registrierten Nutzern und etwa 2,5 Mio. Besuchern pro Monat mit Abstand das führende Dienstleistungs-Portal in Italien. ProntoPro ist neben Italien auch in Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Spanien und Österreich tätig.

Auf dem Online-Marktplatz finden sich laut ProntoPro nicht nur Handwerker, sondern rund 100 Berufsgruppen, die Dienstleistungen in 500 Service-Kategorien offerieren, von Fotografen über Installateure bis zu Fitness-Coaches, Rechtsanwälten und Nachhilfelehrern.

 

Anhörung des Kindes im Sorgerechtsverfahren – Wann ist sie notwendig?

Wird vor Gericht über das Sorgerecht oder das Umgangsrecht nicht zusammenlebender Eltern gestritten, so ist die persönliche Anhörung des Kindes in den meisten Fällen ein Muss. Doch unter welchen Voraussetzungen wird solch eine Anhörung durchgeführt und welche rechtlichen Konsequenzen hat es, wenn das Kind im Sorgerechtsverfahren nicht angehört wird? Über diese Fragen entschied Anfang des Jahres 2018 das OLG Saarbrücken.

Der Fall

Ein geschiedenes Ehepaar, das gemeinsam zwei Kinder hat, stritt vor Gericht über Fragen des Sorgerechts. Beide Kinder leben nach der Scheidung bei der Mutter und diese besitzt auch, mit Zustimmung des Vaters, das Aufenthaltsbestimmungsrecht für den Nachwuchs. Fragen des väterlichen Umgangsrechts wurden in mehreren Vergleichen verhandelt, in deren Rahmen auch eines der Kinder persönlich angehört wurde.

Doch als die Mutter im Mai 2017 die gesamte elterliche Sorge beantragte, wurde dies vonseiten des Vaters abgelehnt. Im Zuge des Antrags auf alleiniges Sorgerecht der Mutter bestellte das Gericht einen Verfahrensbeistand und entschied mit Unterstützung des Jugendamtes, der Mutter das alleinige Sorgerecht zuzusprechen. Eine Anhörung der Kinder fand nicht statt. Diese Entscheidung veranlasste den Vater dazu, die Aufhebung des Beschlusses auf alleiniges Sorgerecht der Mutter zu beantragen.

Die Entscheidung des OLG Saarbrücken

Das Oberlandesgericht hob die Entscheidung des zuständigen Familiengerichts wieder auf und forderte dieses auf, erneut in dieser Sache zu entscheiden. Die Aufhebung des familienrechtlichen Beschlusses begründete das OLG Saarbrücken damit, dass das Gericht die Anhörung der Kinder unterlassen und damit einen schwerwiegenden rechtlichen Mangel ausgelöst hat. Denn gemäß des § 159 Abs. 2 FamFG ist ein Kind, welches noch nicht das 14. Lebensjahr vollendet hat, persönlich vom zuständigen Familiengericht anzuhören, wenn der Wille oder die Bindungen des Kindes für die gerichtliche Entscheidung von Bedeutung sein könnten.

Das Kind kann Entscheidendes zu Fragen des Sorgerechts beitragen und es ist außerdem wichtig, dass das Gericht sich ein persönliches Bild vom betroffenen Kind machen kann. Nur durch eine persönliche Anhörung hat das Kind die Möglichkeit, die Beziehungen zu beiden Elternteilen ausführlich darzulegen.

Allein die Tatsache, dass ein Kind bereits im Rahmen der Vergleiche im Januar 2016 angehört wurde, ist keine Rechtfertigung für das Unterlassen einer erneuten Anhörung beider Kinder im aktuellen Verfahren.

Persönliche Anhörung von Kindern ab einem Alter von drei Jahren

Damit der tatsächliche Wille von Kindern in einem Sorgerechtsstreit ermittelt werden kann, sieht die ständige Rechtsprechung vor, dass ein Kind ab einem Alter von drei Jahren in einer persönlichen Anhörung gehört werden soll. Obwohl das Kind bzw. die Kinder im strittigen Sorgerechtsverfahren schon älter als drei Jahre waren, ist eine persönliche Anhörung unterblieben. Nur unter bestimmten Voraussetzungen muss ein Kind über drei Jahren nicht an solch einer Anhörung teilnehmen, ohne dass dies rechtliche Folgen hat.

 

Verfahrensbeistand: “Der Anwalt des Kindes”

Bei Sorgerechtsstreitigkeiten oder anderen familienrechtlichen Verfahren stehen minderjährige Kinder oft zwischen den Fronten. Damit die Bedürfnisse und Wünsche des Kindes während dieser Verfahren nicht zu kurz kommen, kann das Gericht gemäß § 158 Abs. 1 FamFG einen geeigneten Verfahrensbeistand bestellen. Bei diesem handelt es sich zumeist um einen Sozialpädagogen, einen Rechtsanwalt oder einen Psychologen. Doch was sind die Aufgaben des Anwalts des Kindes, welche Rechte und Pflichten stehen ihm zu und wie wird er bestellt?

Welche Aufgaben hat der Anwalt des Kindes?

Die Hauptaufgabe des Verfahrensbeistands besteht darin, die Wünsche und Bedürfnisse des Kindes (z.B. nach einer Scheidung) festzustellen und sich im Rahmen des Verfahrens für diese Bedürfnisse stark zu machen. Der Verfahrensbeistand agiert als Interessenvertreter des Kindes und muss dabei sowohl den Willen des Kindes als auch sein Wohl berücksichtigen. Um diese beiden Aspekte unter einen Hut zu kriegen, führt der Verfahrensbeistand Gespräche mit Kind und Eltern, in denen er z.B. festzustellen versucht, ob die vom Kind geäußerten Wünsche tatsächlich dem Willen des Kindes entsprechen oder durch eine Beeinflussung durch die Eltern entstanden sind. Natürlich ist der Anwalt des Kindes auch dafür verantwortlich, das Kind darüber aufzuklären, was in dem jeweiligen Verfahren auf ihn zukommt.

Nach den Gesprächen mit dem Kind fertigt der Anwalt des Kindes einen Bericht an, der dem zuständigen Gericht vorgelegt wird.

Welche Rechte hat der Verfahrensbeistand?

Der Anwalt des Kindes soll die Rechte des Kindes vor Gericht wahrnehmen, ist aber anders als ein “wirklicher” Anwalt nicht an dessen Weisungen gebunden. Auch im Rahmen von Vergleichen kann der Verfahrensbeistand seine Zustimmung verweigern, wenn er dies zum Wohle des Kindes für das Beste hält. Der Anwalt des Kindes ist formeller Verfahrensbeteiligter und kann Entscheidungen des Familiengerichts mit einer Beschwerde angreifen, wenn er dies für notwendig hält.

Wie wird ein Verfahrensbeistand bestellt?

Ein Verfahrensbeistand kann vom Gericht in sogenannten Kindschaftssachen bestellt werden, um die Interessen des Kindes zu wahren. Besonders dann, wenn das Interesse des Kindes im Gegensatz zu dem der Eltern steht, ist die Bestellung eines Verfahrensbeistands erforderlich. Auch Eltern haben das Recht, die Bestellung eines Verfahrensbeistands bei Gericht zu beantragen.

Auf der anderen Seite können die Eltern jedoch nichts gegen die Bestellung eines Anwalts des Kindes unternehmen, wenn sie mit dieser Bestellung nicht einverstanden sind. Ist dies erforderlich, wird von den Eltern erwartet, dass sie mit dem Verfahrensbeistand kooperieren und mit diesem, wenn angeordnet, Gespräche führen.

Typische Kindschaftssachen, bei denen die Dienste eines Anwalts des Kindes gefordert sind, können Sorgerechtsfragen, Vormundschaft oder Pflegschaft Angelegenheiten oder Fragen des Umgangsrechts sein. Der Verfahrensbeistand ist in vielen dieser Fälle unerlässlich.

 

Giuseppe M. Landucci beim Patchworkfamilien-Kongress

Vom 14. bis 21. Oktober diesen Jahres fand der erste Patchworkfamilien-Kongress im Internet statt. Neben 35 weiteren Experten stand hier auch Giuseppe M. Landucci (Fachanwalt für Familienrecht) Rede und Antwort zum Thema Familienrecht. Das gesamte Interview haben wir hier für Sie hochgeladen.

Patchworkfamilien-Kongress 2018: 36 Experten, 33 Interviews rund um das Thema Patchworkfamilie

Yvonne Woloschyn, Initiatorin des ersten Patchworkfamilien-Kongresses, lebt seit Jahren in einer Patchwork-Familie mit fünf Kindern unter einem Dach. Und da das Leben innerhalb einer Patchwork-Familie nicht immer einfach ist und oft Konflikte vorprogrammiert sind, hat sich die Patchwork-Mama Unterstützung gesucht und auf den Weg zu diversen Experten gemacht, um herauszufinden, wie man das Leben in einer Patchwork-Familie leichter und harmonischer gestalten kann. So ist deutschlandweit der erste Patchworkfamilien-Kongress im Internet entstanden. Stefanie Stahl, Gerald Hüther, Katia Saalfrank, Jan-Uwe Rogge und 32 weitere Experten geben hier in 33 Interviews wertvolle Tipps für ein leichteres Leben mit Patchwork

 zum Patchworkfamilien-Kongress 2018

Experten-Interview zum Thema Familienrecht

 

Besonderheiten der Patchwork-Familie im Familienrecht

Als Patchwork-Familie wird ein Paar bezeichnet, das Kinder aus einer früheren Beziehung mit in die neue Familie einbringt. Ob das Paar heiratet oder nicht, hat dabei entscheidende rechtliche Auswirkungen darauf, welche Entscheidungsbefugnisse “Stiefvater” oder “Stiefmutter” im Hinblick auf den Nachwuchs haben. Da das Familienrecht keine speziell auf die Situation der Patchwork-Familie zugeschnittenen Regelungen enthält, gibt es in Sachen Erbrecht, Sorgerecht oder Trennung eigene Besonderheiten zu beachten.

Welche Entscheidungen dürfen “Stiefeltern” gemäß Familienrecht treffen?

Ist der neue Partner mit einem sorgeberechtigten Elternteil verheiratet, darf er Dinge des täglichen Lebens für seine Stiefkinder entscheiden. Diese Befugnis wird auch als das sogenannte “kleine Sorgerecht” bezeichnet. Schwerwiegende Entscheidungen die Gesundheit oder die schulische Karriere des Kindes betreffen, dürfen allerdings nur von den sorgerechtsberechtigten Eltern getroffen werden. Haben die Eltern das gemeinsame Sorgerecht, muss der sorgeberechtigte Ex-Partner dem neuen Partner erlauben, Entscheidungen für das Kind zu treffen. Dies geschieht in der Familienrecht Praxis meist durch das Ausstellen einer Vollmacht.

Wie wird die Namenswahl in der Patchwork-Familie gehandhabt?

Sollen die Mitglieder der Patchwork-Familie alle den gleichen Nachnamen tragen, erfordert dies in der Regel die Zustimmung des anderen Elternteils. Auch das Kind muss den Wunsch haben, den neuen Ehenamen anzunehmen. Gerichtlich werden Namensstreitigkeiten im Familienrecht nur in Ausnahmefällen entschieden.

Welche Besonderheiten bringen Trennungen in der Patchwork-Familie mit sich?

Trennt sich das Paar einer Patchwork-Familie wieder oder folgt eine Scheidung, muss an die Stiefkinder in der Regel kein Unterhalt gezahlt werden. Anderes gilt im Familienrecht nur dann, wenn das Paar leibliche Kinder hatte oder die Kinder des Partners adoptiert wurden und somit den rechtlichen Status leiblicher Kinder haben.

Das Erbrecht kann zu Problemen in der Patchwork-Familie führen

Wenn Mitglieder einer Patchwork-Familie kein Testament aufgesetzt haben und die gesetzliche Familienrecht Erbfolge zum Tragen kommt, können unerwartete und unerwünschte Situationen entstehen. Je nachdem, welcher Partner zuerst stirbt, erben die nicht-leiblichen Kinder der Patchwork-Familie gar nichts. Doch auch, wenn die Partner nicht verheiratet sind, kann sich das Aufsetzen einer Verfügung von Todes wegen lohnen.

Kann nach dem Tod des leiblichen Elternteils der Stiefvater oder die Stiefmutter Sorgerecht für das Stiefkind erhalten?

Das Familienrecht sieht vor, dass ein noch lebender Elternteil mit Sorgerecht Vorrang vor dem stiefelterlichen Elternteil hat. Allerdings kann gemäß §1682 BGB eine Familienrecht Verbleibensanordnung beantragt werden, so dass das Stiefkind in seiner gewohnten Umgebung, also bei seinem Stiefvater oder seiner Stiefmutter bleiben darf. Bei einer Trennung innerhalb der Patchwork-Familie kann der §1686 BGB zum Tragen kommen; eine Familienrecht Vorschrift, die den Umgang eines Kindes mit anderen Bezugspersonen als den Eltern regelt.

 

Rechtsanwalt oder Fachanwalt für Familienrecht – Wo liegt der Unterschied?

Wer auf der Suche nach einem Anwalt für seine Scheidung oder ein anderes rechtliches Problem ist, begegnet vielen verschiedenen juristischen Berufsbezeichnungen. Unter einem Rechtsanwalt können sich die meisten Menschen etwas vorstellen, doch was genau ist eigentlich ein Fachanwalt und was unterscheidet einen Fachanwalt für Familienrecht von einem “herkömmlichen” Rechtsanwalt? Zudem stellt sich die Frage, wann es sinnvoll ist, einen Fachanwalt zu beauftragen.

Gemeinsamkeiten von Rechtsanwalt und Fachanwalt

Der berufliche Werdegang von Rechtsanwälten und Fachanwälten ist zunächst identisch. Das ist auch kein Wunder, denn natürlich sind Fachanwälte ebenfalls Rechtsanwälte, die sich lediglich spezialisiert und beruflich weitergebildet haben. Zu Beginn beider Karrieren steht ein Studium der Rechtswissenschaften, das mit einem Ersten Staatsexamen abgeschlossen wird. Daran schließt sich ein zweijähriger juristischer Vorbereitungsdienst an, an dessen Ende die Prüfung zum Zweiten juristischen Staatsexamen steht. Wer dieses besteht, ist Volljurist und darf bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer die Zulassung zum Rechtsanwalt beantragen.

Wie wird man zum Fachanwalt für Familienrecht?

Ein Rechtsanwalt ist dann befugt, den Titel Fachanwalt zu führen, wenn er besondere praktische und theoretische Kenntnisse im jeweiligen Fachgebiet erworben hat. Beispielsweise auf dem Gebiet Familienrecht. Um den Titel Fachanwalt für Familienrecht zu tragen, müssen Anwälte 120 Stunden eines speziellen Fachanwaltslehrgangs absolvieren, sowie praktische Erfahrungen auf dem jeweiligen Rechtsgebiet nachweisen. Die theoretischen Kenntnisse der Anwälte werden anhand von Klausuren überprüft.

Verlangt wird ferner in praktischer Hinsicht der Nachweis von 120 bearbeiteten Fällen im Familienrecht, damit der Fachanwaltstitel erworben werden kann. Die Fälle müssen in einem Zeitraum von drei Jahren bearbeitet worden sein. Das bedeutet, dass ein Rechtsanwalt mindestens drei Jahre praktiziert haben muss, um sich Fachanwalt für Familienrecht bezeichnen zu dürfen.

Abgeschlossen wird die Fachanwaltsausbildung in manchen Bezirken mit einer mündlichen Prüfung. Doch auch nach dieser Prüfung sind die Anforderungen an einen Fachanwalt noch nicht vollständig erfüllt. Denn ein Fachanwalt ist verpflichtet, jährliche Fortbildungen in seinem Fachgebiet zu absolvieren. Insgesamt können übrigens bis zu drei Fachanwaltstitel erworben werden.

Wann sollte ein Fachanwalt für Familienrecht oder für ein anderes Rechtsgebiet beauftragt werden?

Wenn Sie auf der Suche nach einem Anwalt sind, der Sie auf dem Gebiet Familienrecht vertritt, kann es ratsam sein, einen besonders spezialisierten Anwalt zu beauftragen. Ein Fachanwalt für Familienrecht ist besonders dann zu empfehlen, wenn es sich um einen kompliziert gelagerten Fall handelt, der viel Fachwissen erfordert.

Gerade im Familienrecht kann es zu schwierigen Fragestellungen kommen, die das Leben der Betroffenen konkret und direkt beeinflussen. Das Wissen eines Fachanwalts für Familienrecht geht tiefer als das eines “normalen” Rechtsanwalts und die ständigen Fortbildungsmaßnahmen stellen sicher, dass der Anwalt neue Entwicklungen auf dem Gebiet des Familienrechts nicht verpasst. Ein Fachanwalt für Familienrecht ist daher in der Lage, eine für Sie optimale Vertretung sicherzustellen.

 

Ehe-Aus: So finden Sie den richtigen Scheidungsanwalt

Wer sich scheiden lassen möchte, muss sich in Deutschland in den meisten Fällen von einem zugelassenen Rechtsanwalt vertreten lassen. Denn nur er kann für Sie den Scheidungsantrag beim Familiengericht einreichen. Doch wie findet man den passenden Scheidungsanwalt und nach welchen Kriterien sollte man ihn auswählen?

Warum macht die Beauftragung eines Anwalts bei der Scheidung Sinn

Gemäß dem deutschen Anwaltszwang kann ein Scheidungsantrag nur von einem zugelassenen Anwalt bei Gericht eingereicht werden. Handelt es sich bei Ihrer Trennung um eine einvernehmliche Scheidung, dann kann es ausreichen, wenn nur Sie oder Ihr Ex-Partner einen Scheidungsanwalt beauftragen. Doch sollten Sie und Ihr Ehepartner sich über Themen wie Unterhalt oder Sorgerecht streiten, empfiehlt es sich einen eigenen Scheidungsanwalt zu engagieren, der speziell Ihre individuellen Interessen vertritt.

Sehen Sie sich nach einem auf Familienrecht spezialisierten Anwalt um

In Deutschland gibt es über 165.000 zugelassene Rechtsanwälte. Doch nicht jeder von Ihnen kommt als Ihr Scheidungsanwalt in Frage. Bei Ihrer Scheidung sollten Sie sich unbedingt für einen Fachanwalt für Familienrecht entscheiden, da dieser besonders detaillierte und tiefgehende Kenntnisse auf dem Gebiet des Familienrechts bzw. Scheidungsrechts hat. Ein Fachanwalt weiß genau, was in einem strittigen Scheidungsverfahren auf Sie zukommt und wie er Ihre Interessen optimal vertreten kann. Wer sich Fachanwalt für Familienrecht nennen darf, muss mindestens 120 familienrechtliche Fälle bearbeitet und eine Zusatzausbildung mit Abschlussprüfung gemacht haben. Zudem ist er dazu verpflichtet, regelmäßig an Fortbildungen teilzunehmen. Auf die Fachkenntnisse eines Fachanwalts können Sie sich also verlassen.

Auf Empfehlungen von Freunden oder Bekannten achten

Bestimmt haben Sie in Ihrem Bekanntenkreis Freunde, Kollegen oder Verwandte, die bereits eine Scheidung hinter sich haben. Holen Sie sich Ratschläge von diesen Bekannten ein und erkundigen Sie sich danach, welchen Scheidungsanwalt sie Ihnen empfehlen können. Dabei sind nicht nur positive Bewertungen hilfreich, sondern auch negative Beispiele können Ihnen bei der Entscheidungsfindung helfen.

Durchforsten Sie das Internet nach infrage kommenden Rechtsanwälten

Durchsuchen Sie das Internet nach Rechtsanwälten in Ihrer Nähe und verschaffen Sie sich auf der Internetseite des Anwalts einen ersten Eindruck von dessen Kanzlei und Tätigkeitsschwerpunkten. Schauen Sie nach, wie schnell Sie mit dem infrage kommenden Scheidungsanwalt Kontakt aufnehmen können und stellen Sie doch einmal unverbindlich eine Anfrage.

Wie viel kostet der Scheidungsanwalt?

Selbstverständlich ist auch die Kostenfrage entscheidend dafür, für welchen Scheidungsanwalt Sie sich schlussendlich entscheiden. Sie können zwar nicht erwarten, dass Ihnen Ihr Anwalt bereits in einem ersten Beratungsgespräch eine exakte Summe nennen kann, allerdings wird schon zu diesem Zeitpunkt klar, ob der Rechtsanwalt eine transparente Kostenpolitik betreibt. Holen Sie sich ruhig Informationen zu Kosten von mehreren Rechtsanwälten ein und vergleichen Sie diese.

Lernen Sie den Scheidungsanwalt persönlich kennen

Eine große Entscheidungshilfe ist es zudem, den potentiellen Scheidungsanwalt in einem Beratungsgespräch persönlich kennen zu lernen. Durch ein persönliches Gespräch können Sie herausfinden, ob der mit Ihnen sprechende Anwalt als Rechtsanwalt für Ihre Scheidung in Frage kommt. Achten Sie dabei darauf, ob zwischen Ihnen und Ihrem Anwalt die Chemie stimmt und Ihr Scheidungsanwalt Ihnen die Materie verständlich erläutern kann.

 

Ehevertrag: Ja oder nein? Unternehmerinnen, Unternehmer aufgepasst!

Warum Sie als Unternehmer auf einen Ehevertrag bestehen sollten

Wenn nicht gerade beide Ehepartner realistisch agierende Unternehmer sind, kann ein Ehevertrag, der nur von einer Seite gefordert wird, einen bitteren Beigeschmack bei dem Anderen hervorrufen. Zumindest ist ein kleiner Dämpfer in Sachen Romantik wahrscheinlich. Dennoch: Ein Ehevertrag kann im Fall einer Scheidung, besonders dem Unternehmer mit seinen Mitarbeitern, viel Ärger und Leid ersparen.

Unternehmer vor der Wahl: Ratio contra Emotionen?

Ganz so schwarz-weiß sollte auch ein Unternehmer den Abschluss eines Ehevertrages nicht sehen. Schließlich tragen Unternehmerinnen und Unternehmer in den meisten Fällen nicht nur für ihr Geschäft die Verantwortung, sondern auch für die Menschen, die dies mit ihrem Einsatz möglich machen. Automatisch verlagern sich dadurch die Emotionen auch ein wenig auf die Pro-Ehevertrag Seite, oder nicht? Ein Blick darauf, was passieren könnte, wenn bei einer Scheidung (oder beim Tod eines Partners) kein Ehevertrag vorliegt:

Zugewinngemeinschaft

Wird bei der Eheschließung kein Ehevertrag abgeschlossen, tritt nach einer Scheidung automatisch die Zugewinngemeinschaft in Kraft. Das bedeutet für einen Unternehmer:

  • das Anfangsvermögen und das Endvermögen beider Ehepartner werden ermittelt
  • die Differenz, der Zugewinn, wird aufgeteilt

Die Ausgangslage

Ein Unternehmer, eine Unternehmerin, hat zu Beginn der Ehe ein Unternehmen gegründet und erfolgreich etabliert, während die Ehegattin, der Ehegatte zum größten Teil für die Familie gesorgt hat oder einer anderen Tätigkeit nachgegangen ist. Oder aber, beide Ehepartner haben zu gleichen Teilen ein Unternehmen gegründet und aufgebaut.

Mögliches Szenario

Einer der Ehepartner hat ein Unternehmen aufgebaut, der andere hat sich hauptsächlich um Haus und Familie gekümmert, also kaum einen Zugewinn erwirtschaftet. Als Berechnungsgrundlage für den Zugewinn wird der tatsächliche sogenannte Verkehrswert des Unternehmens zugrunde gelegt. Das bedeutet, dass die derzeitige Unternehmenssituation keine Rolle bei der Berechnung spielt. Mit anderen Worten, aktuelle Parameter, wie eine aktuell schlechte Geschäftslage oder geleistete Investitionen spielen bei der Berechnung keine Rolle. Vereinfacht: Der ermittelte Verkehrswert wird zugrunde gelegt und durch zwei geteilt. Das kann für manchen Unternehmer, manche Unternehmerin den Untergang bedeuten.

Der Ehevertrag: Modifizierte Zugewinngemeinschaft oder Gütertrennung?

Meistens hört man von einer Gütertrennung im Zusammenhang mit einem Ehevertrag. Bei einer Gütertrennung wird nach einer Scheidung nichts geteilt, egal wie die finanzielle Ausgangslage war und die aktuelle Situation zum Zeitpunkt der Scheidung ist. Eine Gütertrennung gilt sowohl für die Scheidung als auch im Todesfall einer der beiden Ehepartner.

Die modifizierte Zugewinngemeinschaft ist eine Gütertrennung, die nur im Falle einer Scheidung, nicht aber im Todesfall eines Ehepartners in Kraft tritt. Im Todesfall wird die Zugewinngemeinschaft greifen.

Fazit

Die Faktenlage zum Ehevertrag für Unternehmer ist hier sehr vereinfacht dargestellt. In jedem Fall ist es ratsam, sich vor einer Entscheidung für oder gegen einen Ehevertrag, juristisch beraten zu lassen. Unternehmer und Unternehmerinnen tun jedenfalls gut daran, vor dem romantischen Liebesfest, auch mit Empathie und Verantwortungsgefühl auf ihr Unternehmen und ihre Mitarbeiter zu schauen.