Erste deutsche Trennungskinder-Studie: Wie gut ist das Wechselmodell für’s Kind?

Nach einer Trennung oder Scheidung nimmt die Frage danach, welche Umgangs- und Sorgerechtsvereinbarungen getroffen werden sollen, naturgemäß eine große Rolle ein. Neben dem sogenannten Residenzmodell, bei welchem die Kinder nach der Trennung überwiegend bei einem Elternteil leben und von diesem betreut werden, erfreut sich auch das Wechselmodell einer immer größer werdenden Beliebtheit. Doch wie wirkt sich das Wechselmodell langfristig auf Trennungskinder aus? Dieser Frage ging eine neue Studie aus Duisburg auf den Grund.

Das Wohl des Kindes sollte in Bezug auf Trennungskinder stets im Vordergrund stehen

Eigentlich ist es allen Beteiligten nach einer Trennung völlig klar, dass eine Entscheidung hinsichtlich einer Umgangsregelung sich am Kindeswohl orientieren muss. Doch nicht immer schaffen es getrennte Eltern, ihre Gefühle in dieser Angelegenheit hintenanzustellen.

Schaffen es die Eltern nicht alleine, eine einvernehmliche Umgangsregelung zu treffen, dann müssen die Jugendämter und Familiengerichte einschreiten, indem sie Empfehlungen geben oder sogar Umgangsregelungen anordnen. Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, sollten die Richter und Jugendämter beurteilen können, wie sich das Wechselmodell langfristig auf Trennungskinder auswirkt. Aus diesem Grund sind verlässliche Studien zu diesem Thema so wichtig.

Das Wechselmodell – Noch die Ausnahme beim Umgangsrecht

Beim Wechselmodell leben die Kinder nach einer Scheidung bzw. Trennung abwechselnd mit beiden Elternteilen zusammen. Dies geschieht entweder dadurch, dass das Kind regelmäßig zwischen den elterlichen Wohnungen wechselt oder dadurch, dass die Kinder stets in derselben Wohnung leben und die Eltern abwechselnd dort leben. Derzeit praktizieren in Deutschland lediglich fünf Prozent der Trennungsfamilien das Wechselmodell, doch Tendenz steigend. Die Universität Duisburg-Essen hat gemeinsam mit der Universität Marburg eine Studie veröffentlicht, in welcher 1.554 Familien zu den Vor- und Nachteilen ihres jeweils gewählten Umgangsmodells befragt wurden.

Trennungskinder – Wie geht es ihnen mit dem Wechselmodell?

Laut der Studie der Universität Duisburg-Essen fühlen sich Trennungskinder mit dem Wechselmodell genauso wohl und in einigen Fällen sogar besser als Trennungskinder, die einen Elternteil lediglich an den Wochenenden oder in den Ferien sehen. Bei den Familien, die das Wechselmodell praktizieren, geht diese Entscheidung übrigens zu 65,2 Prozent auf den Wunsch der Kinder zurück. In der Altersgruppe der 7- bis 14-Jährigen sind vor allen Dingen die Trennungskinder mit dem gewählten Wechselmodell zufrieden, die nicht genau gleich viel Zeit mit beiden Elternteilen verbringen, sondern die zu 70 und zu 30 Prozent bei den jeweiligen Elternteilen leben.

Auch hinsichtlich der Qualität der Zeit, welche die Trennungskinder mit ihren Eltern verbringen, hat das Wechselmodell die Nase vorn. Denn obwohl ganze 96,8 Prozent der Kinder im Residenzmodell zufrieden mit der Zeit waren, die sie mit ihren Müttern verbracht haben, waren die Trennungskinder lediglich zu 71,1 Prozent damit zufrieden, wie sich die Zeit mit ihren Vätern gestaltete. Beim Wechselmodell empfanden die Kinder hingegen die Zeit mit beiden Elternteilen als zufriedenstellend.

Wechselmodell ist von gutem Verhältnis der Eltern abhängig

Die Studie zum Wechselmodell zeigt aber noch einen weiteren Zusammenhang auf. Auf Trennungskinder kann sich das Wechselmodell besonders dann positiv auswirken, wenn die Eltern sich nach wie vor gut und zivilisiert miteinander verstehen. Wenn jedoch beständig Streit zwischen den Elternteilen herrscht, kann es besonders beim Wechselmodell für die Trennungskinder schwierig werden und regelmäßig zu Loyalitätskonflikten kommen.