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Umgangsrecht: Darf ich mein Kind auch ohne Sorgerecht sehen?

Nach einer Scheidung oder Trennung kommt es zwischen den Eltern häufig zu Sorgerechtsstreitereien. Unabhängig davon, ob ein Elternteil das Kind deshalb nur selten oder fast nie sehen kann, weil die Eltern sich streiten oder weil die Distanz zwischen den Wohnorten so groß ist, auch Elternteile ohne Sorgerecht haben ein Recht darauf, das eigene Kind regelmäßig zu sehen. Denn ganz gleich, wie das Sorgerecht konkret ausgestaltet ist, das Kind hat ein Anrecht darauf, Kontakt zu beiden Elternteilen zu haben. Hier spricht man vom sogenannten Umgangsrecht.

Was genau heißt Umgangsrecht eigentlich?

Sorgerecht und Umgangsrecht müssen streng voneinander unterschieden werden. Während es sich beim Sorgerecht um das Recht handelt, Entscheidungen im Hinblick auf die Lebensführung des Kindes vorzunehmen, umfasst das Umgangsrecht das Recht, sein Kind zu sehen und Zeit mit ihm zu verbringen. Das Umgangsrecht ist in § 1684 BGB gesetzlich verankert, doch wie es konkret gelebt wird, hängt von individuellen Absprachen zwischen den Elternteilen ab.

Jedoch muss bei diesen Absprachen beachtet werden, dass der regelmäßige Kontakt des Kindes zu beiden Elternteilen dem Kindeswohl dienen soll. Einem Elternteil ohne Sorgerecht kann es nur dann verwehrt werden, sein Kind zu sehen, wenn dieser Kontakt das Kindeswohl gefährden würde. Alternativ kann das Umgangsrecht auch dann verweigert werden, wenn ein Kind, das älter als 12 Jahre ist, deutlich klar macht, keinen Kontakt zur Mutter oder zum Vater haben zu wollen.

Wie genau gestaltet sich das Umgangsrecht?

Wie das Umgangsrecht konkret ausgestaltet ist, hängt vom Alter des Kindes, der Distanz zwischen den Wohnorten beider Elternteile, der Bindung des Kindes zu Vater oder Mutter, sowie der Belastbarkeit des betroffenen Kindes ab. Der Elternteil mit oder ohne Sorgerecht kann sein Kind sehen und so oft Zeit mit ihm verbringen, wie es die Umgangsregeln festlegen. Ist das Kind noch sehr klein, sollte der Kontakt sich auf häufige, stundenweise Besuche beschränken. Diese Besuche können und sollten bei Babys von den Müttern in der Regel begleitet werden. Bei Kindern ab 3 Jahren können die Besuche beim Elternteil mit oder ohne Sorgerecht verlängert und ausgedehnt werden. Übernachtungen an den Wochenenden und in den Ferien sind ein möglicher Weg, sein Kind zu sehen.

Wie kann man das Umgangsrecht durchsetzen?

Sollten Mutter oder Vater es dem Elternteil mit oder ohne Sorgerecht verweigern, das eigene Kind zu sehen und scheint eine einvernehmliche Einigung in weiter Ferne, dann kann das Umgangsrecht gerichtlich eingefordert werden. Kann der sorgerechtsberechtigte Elternteil vor Gericht nicht darlegen, dass der Kontakt zu dem anderen Elternteil nicht dem Kindeswohl dient, kann dieser gerichtlich erzwungen werden. Das Gericht kann im Extremfall eine Ordnungshaft anordnen oder die Zwangsvollstreckung betreiben, um das Umgangsrecht durchzusetzen. Solch ein gerichtlicher Streit um das Umgangsrecht sollte aber zum Wohle des Kindes nur in Extremfällen zum Tragen kommen.

 

Sorgerecht: Wie oft und lange dürfen Eltern Party machen?

Selbstverständlich haben Eltern ein Recht darauf, sich abends mit Freunden zu treffen oder besondere Anlässe gebührend zu feiern, auch mit Alkohol. Doch im Hinblick auf das Sorgerecht von Eltern und ihre Vorliebe für Partys gibt es bestimmte Regeln zu beachten, bei denen stets das Kindeswohl im Vordergrund steht.

Party ist ok – Solange es dem Kind nicht schadet

Grundsätzlich gilt, dass Eltern so oft sie möchten, feiern können, solange das Kind darunter in keinerlei Art und Weise leidet. Dieses “Leiden” kann sich dadurch zeigen, dass das Kind während dieser Zeit nicht ausreichend beaufsichtigt oder vernachlässigt wird, Zugang zu Alkohol hat oder das Kind durch den Alkoholkonsum seiner Eltern in körperlicher bzw. seelischer Art und Weise leidet. Unterschieden werden muss das häufige Party-Machen der Eltern von einer Alkohol- und Drogenabhängigkeit der Erziehungsberechtigten. Spielt der Alkohol- oder Drogenkonsum der Eltern oder eines Elternteils im familiären Alltag eine beträchtliche zeitliche Rolle, dominiert das Verlangen nach Alkohol das Familienleben insgesamt und führt dieses alkoholbedingte Verhalten der Eltern zu einer Beeinträchtigung der Kindesentwicklung, kann über eine Einschränkung des Umgangsrechts oder Sorgerechts der Eltern nachgedacht werden.

Inobhutnahme hat Vorrang vor Entzug des Sorgerechts oder Einschränkung des Umgangsrechts

Das elterliche Sorgerecht hat im deutschen Rechtssystem einen hohen Stellenwert und wird durch Art. 6 des Grundgesetzes geschützt. Soll das Sorgerecht aufgrund von elterlichem Fehlverhalten entzogen werden, dann stellt dies einen massiven Grundrechtseingriff für die Eltern dar. Bevor durch das Jugendamt bzw. die zuständigen Gerichte solch ein Eingriff vorgenommen werden darf, müssen andere zur Verfügung stehende Maßnahmen ausgeschöpft werden. Eine Alkohol- oder Drogenabhängigkeit kann, wenn weitere Voraussetzungen vorliegen, zwar zu einem Entzug des Sorgerechts führen, das regelmäßige Party-Machen allein reicht hierzu jedoch nicht aus.

Sollte das Jugendamt den Verdacht haben, dass das Kindeswohl gefährdet ist, kann es statt einen Sorgerecht Entzug zu beantragen, zunächst einmal auf die in § 42 des VIII Sozialgesetzbuches festgeschriebene Inobhutnahme zurückgreifen. Bei der Inobhutnahme handelt es sich allerdings nur um eine vorläufige Maßnahme, auf die zumeist in Notsituationen zurückgegriffen wird. Minderjährige können zudem auch selbst um eine Inobhutnahme bitten

“Normales” Party-Verhalten ist völlig unbedenklich

Wenn das Feierverhalten der Eltern für die Kinder unschädlich ist und die Kinder während dieser Zeit nicht sich selbst überlassen werden, gibt es keinen Grund, warum das Jugendamt in die Erziehung eingreifen sollte. Erst dann, wenn von staatlicher Seite klar nachgewiesen wird, dass das Verhalten der Eltern den Kindern in seelischer und körperlicher Hinsicht gefährdet, dürfen die Behörden aktiv werden.

 

Was ist die Vermögenssorge beim Sorgerecht?

Sicherlich haben Sie schon einmal von dem Begriff der Vermögenssorge gehört, der immer wieder im Zusammenhang mit dem Thema Sorgerecht zur Sprache kommt. Doch was versteht man unter der Vermögenssorge eigentlich und welche Aufgaben haben Eltern gegenüber ihren minderjährigen Kindern im Rahmen der Vermögenssorge zu erfüllen?

Was bedeutet Vermögenssorge?

Die Vermögenssorge ist ein Teil der elterlichen Sorge und erstreckt sich auf die vermögensrechtlichen Angelegenheiten minderjähriger Kinder. Die Eltern sind gehalten, das Vermögen des Kindes zu erhalten, zu mehren und es sachgerecht zu benutzen. Das Abschließen von Verträgen für die Kinder, Schenkungen oder erbrechtliche Angelegenheiten fallen in diesen Bereich. Gemeinsam mit der Personensorge umfasst die Vermögenssorge das elterliche Sorgerecht.

Was geschieht mit der Vermögenssorge nach einer Scheidung?

Lassen sich die Eltern eines Kindes scheiden, dann verbleibt das Sorgerecht zumeist bei beiden Eltern gemeinsam. Auch die Sorge für das Vermögen Ihres Kindes bleibt in diesem Fall bei beiden Elternteilen. Lediglich dann, wenn einer der Elternteile nicht in der Lage ist, das Sorgerecht für sein Kind auszuüben, kann vom anderen Elternteil alleiniges Sorgerecht und damit auch die alleinige Vermögenssorge beim Familiengericht beantragt werden.

Bei gemeinsamer Vermögenssorge müssen die Eltern bei Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung zusammen entscheiden, wie hinsichtlich des Vermögens des Kindes zu verfahren ist. Anders sieht es in Bezug auf Angelegenheiten des täglichen Lebens, wie der Zahlung von Taschengeld oder der Frage nach der Teilnahme an einem Tagesausflug, aus. Diese Dinge darf der Elternteil alleine entscheiden, bei dem sich das Kind zu diesem Zeitpunkt aufhält.

Welche Rechte und Pflichten haben Eltern bei der Ausübung ihrer Vermögenssorge?

Grundsätzlich dürfen Eltern im Rahmen der Vermögenssorge für ihr Kind nur Entscheidungen treffen, die für dieses rechtlich vorteilhaft bzw. zumindest neutral sind. Da minderjährige Kinder in der Regel keine Verträge abschließen dürfen, obliegt diese Aufgabe den Eltern. Sie haben dafür Sorge zu tragen, dass das Geld des Kindes nach den Grundsätzen einer wirtschaftlichen Vermögensverwaltung angelegt wird. Hat das Kind ein Vermögen, dessen Wert 15.000 Euro übersteigt, sind die Eltern verpflichtet, ein Vermögensverzeichnis zu führen und regelmäßig einen Bericht an das Familiengericht zu übermitteln.

Rechtlich nachteilige Entscheidungen müssen vom Familiengericht genehmigt werden.

Es gibt Rechtsgeschäfte, die Sie nicht ohne weiteres alleine für Ihr Kind tätigen dürfen. Diese Rechtsgeschäfte sind solche, aus denen Ihrem Kind ein rechtlicher Nachteil erwachsen könnte. Dazu zählen das Abschließen eines Mietvertrags, durch welches das Kind Mietzahlungen leisten muss oder die Schenkung eines Hauses samt Grundstück, aus dem sich für das Kind ebenfalls Zahlungsverpflichtungen ergeben.

Vor dem Abschluss solcher Rechtsgeschäfte benötigen Sie die Genehmigung des Familiengerichts.

 

Scheidungsanwalt-in-Köln.de: Neue Infoseite zum Thema Scheidung

Neue Infoseite beantwortet Ihnen alle relevanten Fragen zur Scheidung

Ihre Ehe nähert sich dem Ende oder ist bereits gescheitert? Sie leben getrennt und Ihnen steht eine Scheidung bevor? Sie suchen einen Scheidungsanwalt bzw. einen Fachanwalt für Familienrecht? Auf www.scheidungsanwalt-in-köln.de beantworten wir Ihnen alle relevanten Fragen.

Auf unserer neuen Informationseite www.scheidungsanwalt-in-köln.de beantworten wir Ihnen alle relevanten Fragen zum Thema Scheidung, damit Sie von Anfang an wissen, wie eine Scheidung erfolgt und worauf Sie zu achten haben. Dies betrifft insbesondere das deutsche Familienrecht. Das Familienrecht ist ein Teilgebiet des Zivilrechts. Hier werden die Rechtsverhältnisse der durch Ehe, Lebenspartnerschaft und Verwandtschaft miteinander verbundenen Personen geregelt. Dazu zählen u.a.: Trennung, Scheidung, Sorgerecht, Umgangsrecht und Unterhalt.

Relevante Fragen  & Antworten zum Thema Scheidung

Was sind die Vorraussetzungen für eine Scheidung? Wann kann ich mich scheiden lassen? Was sind die Unterschiede zwischen einer einvernehmlichen und einer streitigen Scheidung? Wie ist der Ablauf einer Scheidung? Wie lange dauert eine Scheidung und was kostet sie? Welche Unterlagen werden benötigt und was passiert mit dem gemeinsamen Vermögen? Was ändert sich mit einer Scheidung? Wer hat sich um die Kinder zu sorgen? Wer muss Kindesunterhalt zahlen? Was bedeuten Sorgerecht und Umgangsrecht? Und wie ermittelt sich der Kindesunterhalt?

All diese Fragen beantworten wir Ihnen auf www.scheidungsanwalt-in-köln.de.

Gemeinsame elterliche Sorge kann Kindeswohl widersprechen

Kein gemeinsames Sorgerecht ohne Gesprächsbereitschaft

Gemeinsames Sorgerecht nach der Scheidung einer Ehe oder Beendigung einer Partnerschaft dient dem Wohl der Kinder, solange beide Elternteile bereit und in der Lage sind, miteinander über anstehende Entscheidungen oder Probleme zu sprechen.

Lehnt ein Elternteil Gespräche mit dem anderen Elternteil ab und bleibt auch die Hilfe des Jugendamts ohne Wirksamkeit, ist es im Interesse des Kindeswohls notwendig, einem Elternteil das alleinige Sorgerecht zuzuerkennen. Einem Elternteil zugunsten des anderen Elternteils das Sorgerecht zu entziehen, darf wegen eines Eingriffs in Artikel 6 des Grundgesetzes auch im Familienrecht nur der letzte Schritt sein. Das Familiengericht muss deshalb eine besonders sorgfältige Einzelfallprüfung vornehmen. Es ist dabei auch beispielsweise darzulegen, ob und in welchem Umfang Vermittlungsgespräche im Beisein der Jugendamtsmitarbeiter stattgefunden haben und welcher Elternteil die Kooperation ablehnte.

Eindeutige Verweigerung weiterer Gespräche

Das Oberlandesgericht Stuttgart hat am 24.08.2016 zum Aktenzeichen 17 UF 40/16 einen Beschluss verkündet, der für die Frage, wann das gemeinsame Sorgerecht aufhört, dem Kindeswohl zu nutzen, wichtig ist. In dem zu entscheidenden Fall lebten minderjährige, aus der Ehe hervorgegangene Kinder gemeinsam mit volljährigen Kindern im Haushalt ihres Vaters. Die Ehe der Eltern war rechtskräftig geschieden worden.

Die Eltern hatten im Rahmen des Scheidungsverfahrens keine Anträge zum Sorgerecht gestellt, übten also das Sorgerecht weiter gemeinsam aus. Dem Kindesvater war allerdings das Aufenthaltsbestimmungsrecht übertragen worden. Notwendige Gespräche über für das Kindeswohl wichtige Entscheidungen scheiterten zuletzt daran, dass die Kindesmutter dem Kindesvater heftige Vorwürfe machte und dessen Eignung, die Kinder angemessen zu erziehen, in Frage stellte. Sie wollte keine weiteren Gespräche mit dem Kindesvater mehr führen. Der Kindesvater hatte ebenfalls eine negative Einstellung zu weiteren Gesprächen mit der Kindesmutter.

Die Kindesmutter beantragte, ihr das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die gemeinsamen Kinder zu übertragen. Der Kindesvater beantragte nicht nur, den Antrag der Kindesmutter zurückzuweisen, sondern auch, ihm das alleinige Sorgerecht für die minderjährigen Kinder zuzuerkennen. Wie im Familienrecht üblich, zog das Gericht zur Entscheidung darüber, welche Regelung dem Kindeswohl am besten entspricht, einen Verfahrensbeistand und einen Sachverständigen hinzu. In Gesprächen mit beiden bekräftigte die Kindesmutter ihre Einstellung, nicht mehr mit dem Kindesvater kooperieren zu können.

Sachverständiger will Gespräche erzwingen

Der Sachverständige kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass aktuell keine für ein gemeinsames Sorgerecht ausreichende Zusammenarbeit zwischen den Eltern gegeben war. Er empfahl trotzdem, dem Antrag des Vaters auf Übertragung des alleinigen Sorgerechts nicht stattzugeben. Die Eltern müssten im Interesse des Kindeswohls dazu angehalten werden, ihre Zusammenarbeit zu verbessern. Die Kinder wünschten sich, dass ihre Eltern gemeinsam die wichtigen Entscheidungen in ihrem Leben treffen würden.

Das Oberlandesgericht Stuttgart hat eine im Familienrecht eher seltene Entscheidung getroffen und sich dazu entschlossen, der Empfehlung des Sachverständigen zum Sorgerecht nicht zu folgen. Obwohl es sicherlich sinnvoll wäre, die streitenden Eltern für das Kindeswohl zur Einigung zu zwingen, erklärten die Richter, dass die grundsätzliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit, die Grundlage für die gemeinsame Ausübung des Sorgerechts sei.

Gemeinsames Sorgerecht: Türkei-Reise des Kindes nur mit beiderseitiger Zustimmung

Sicherheitsbedenken bei der Auswahl eines Reiseziels sind keine Alltagsprobleme

In vielen Familien wird zurzeit darüber diskutiert, ob ein Badeurlaub in der Türkei aufgrund der dort herrschenden politischen Situation gefährlich sein könnte. Nicht nur überängstliche Menschen weisen darauf hin, dass es im Land bereits Terroranschläge gegeben hat bei denen Touristen ums Leben kamen. In dem Fall, den das Oberlandesgericht Frankfurt am Main unter dem Aktenzeichen 5 UF 206/16 zu bearbeiten hatte, ging es um Familienrecht.

Die streitenden Parteien waren geschiedene Eheleute. Für ihren gemeinsamen, aus der Ehe hervorgegangenen Sohn übten sie gemeinsames Sorgerecht aus. Die Kindesmutter, die den Jungen hauptsächlich versorgte, wollte mit ihm in den Urlaub zum Baden in die Türkei fliegen. Sie hatte die sich bietende Gelegenheit ergriffen, zum verhältnismäßig günstigen Preis, eine Reise zu buchen. Der Urlaub sollte besonders für das Kind schön werden. Unter anderem war geplant, vor Ort Freunde zu treffen, die ebenfalls in die Türkei reisen wollten. Weil das Auswärtige Amt keine konkrete Reisewarnung für die Ferienregion ausgegeben hatte, freute sich die Kindesmutter auf einen preiswerten und angenehmen Urlaub.

Kindesvater verweigerte Zustimmung zur Urlaubsreise

Der Kindesvater war gegen die Türkeireise und berief sich mit seiner Ablehnung auf gemeinsames Sorgerecht. Die unübersichtliche politische Lage mit versuchtem Putsch gegen die Regierung, Kurdenkrise und Terroranschlägen sei für ihn auch dann ein Grund, Urlaubsreisen in die Türkei abzulehnen, wenn das Auswärtige Amt aus diplomatischen Gründen keine generelle Reisewarnung herausgegeben hätte. Die Kindesmutter hätte sich in Anbetracht der nahezu täglichen Berichte über die gefährliche Entwicklung in ihrem bevorzugten Urlaubsland rechtzeitig darum bemühen müssen, den Urlaub umzubuchen. Hätte sie das getan, wäre die Enttäuschung des Kindes, für das es nun um „Reisen oder nicht Reisen“ geht, im Rahmen geblieben.

Weil der Kindesvater seine Zustimmung zur Urlaubsreise verweigerte, stellte die Kindesmutter bei der für Familienrecht zuständigen Abteilung des Amtsgerichts Offenbach den Antrag, ihr hinsichtlich der Urlaubsreise das alleinige Entscheidungsrecht gemäß § 1628 BGB zu übertragen. Gegen die antragsgemäß ergangene Entscheidung legte der Kindesvater bei dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main Beschwerde ein.

Sicherheitsbedenken des Kindesvaters nicht vorgeschoben

Die Richter für Familienrecht entschieden durch Beschluss vom 21.07.2016, dass der § 1628 BGB keine Anwendung finden kann, weil es sich nicht um eine Angelegenheit des täglichen Lebens handelte und die Sicherheitsbedenken des Kindesvaters nicht vorgeschoben, sondern ernsthaft begründet waren.

Eltern, die nach der Scheidung gemeinsames Sorgerecht für ein minderjähriges Kind ausüben, müssen wichtige Entscheidungen grundsätzlich einverständlich treffen (§ 1687 BGB). Die Alleinentscheidungsbefugnis ist ein Ausnahmefall für gemeinsames Sorgerecht bei Alltagsproblemen. Lehnt ein Elternteil seine Zustimmung zu einer Auslandsreise wegen nachvollziehbarer Sicherheitsbedenken ab, kann das Familiengericht grundsätzlich keine Alleinentscheidung genehmigen.

Ehe-Aus: Wann kommt das gemeinsame Sorgerecht in Frage?

Alleiniges Sorgerecht stellt nur eine Ausnahmeregelung dar

Nach dem Scheitern einer Ehe sollen im Rahmen einer Scheidung beide Elternteile das Sorgerecht für aus der Ehe hervorgegangene Kinder weiterhin gemeinsam ausüben. Mit dieser Regelung betont der Gesetzgeber die Fortgeltung der gemeinsamen Verantwortung. Kinder sollen ihre wichtigsten Bezugspersonen behalten.

Wenn schon der gewohnte Alltag des Kindes durch Streit und Trennung der Eltern ins Wanken gerät soll es dem Kind wenigstens abgenommen werden, sich dauerhaft zwischen Vater und Mutter entscheiden zu müssen. Die gefürchtete Frage wird vor dem Familiengericht nur noch in Ausnahmefällen gestellt. Ohne besonderen Antrag muss der Familienrichter nämlich überhaupt nicht mehr über das Sorgerecht entscheiden. Ausgangspunkt dafür, das alleinige Sorgerecht für einen Elternteil zu beantragen, ist entweder große Einigkeit oder heftiger Streit zwischen den Eltern. Hat ein Elternteil zum anderen so großes Vertrauen, dass er einer Sorgerechtsübertragung freiwillig zustimmt, kann das alleinige Sorgerecht durch einfache, vom Familienrichter zu Protokoll genommene Erklärung übertragen werden. Umgangsrecht und Auskunftsrecht bleiben erhalten.

In anderen Fällen wird das Sorgerecht zum Streitfall. Gegen den erklärten Willen eines Elternteils ist ein Sorgerechtsentzug nur möglich, wenn er im Interesse des Kindeswohles unabdingbar notwendig ist. In der Praxis bedeutet dies, dass Fakten vorgetragen werden müssen, aus denen sich ergibt, dass ein Elternteil nicht in der Lage ist, sein Kind angemessen zu erziehen. Gewaltbereitschaft, Sucht und persönliche Unzuverlässigkeit sind häufige Gründe dafür, einem Elternteil das Recht zur elterlichen Sorge zu entziehen. Es darf sich dabei jedoch nicht lediglich um einen vorübergehenden Zustand handeln, der einer bestimmten Situation geschuldet war.

Erziehung bedeutet, das Wohl des Kindes zu achten und zu fördern

Das Recht, für ein Kind zu sorgen, ist von der „Erziehungsgeeignetheit“ abhängig. Zur Erziehung gehört es, für Gesundheit und Wohlbefinden des Kindes zu sorgen, gesetzliche Verpflichtungen wie die Schulpflicht zu beachten und, soweit vorhanden, das Vermögen des Kindes sorgfältig zu verwalten. Jeder Sorgeberechtigte muss in der Lage sein, seinen Erziehungsstil und seinen Umgang mit dem Kind den aus der jeweiligen Situation ergebenden Notwendigkeiten anzupassen.

Eltern, die das Recht zur elterlichen Sorge gemeinsam ausüben, müssen darüber hinaus den Willen zeigen und dazu in der Lage sein, über Probleme bei der Erziehung zu sprechen und gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. In Krisensituationen kann dabei Hilfe vom zuständigen Jugendamt in Anspruch genommen werden. Der Sorgerechtsentzug wird vom Familiengericht nur als letzte Möglichkeit ausgesprochen, wenn alle Einigungsversuche gescheitert sind. Alkohol- und Drogenabhängigkeit, Persönlichkeitsstörungen oder ein extrem schädlicher Lebenswandel wirken sich negativ auf die Erziehungsfähigkeit aus.

Ein Mangel an Interesse für die Belange des Kindes oder Streitigkeiten über Erziehungsrichtlinien und Lebensformen reichen als Begründung für einen Sorgerechtsentzug nicht aus. Unregelmäßige oder ausbleibende Unterhaltszahlungen sind ebenfalls kein Grund, das alleinige Sorgerecht durchzusetzen, wenn dem keine Absicht zugrunde liegt, dem Kind vorsätzlich zu schaden.

Sachliche Kritik betont eigene Erziehungskompetenz

Schwierig wird es immer dann, wenn es im Zusammenhang mit der Trennung zu häuslicher Gewalt kam. Zugunsten des enthemmten Elternteils muss auch in einer solchen Situation sorgfältig hinterfragt werden, wie es zum Übergriff kam und ob der Übergriff auch dem Kind oder allein der ehemaligen Partnerin oder dem ehemaligen Partner gegolten hat.
Es ist im Einzelfall nicht einfach, die Belange des Kindeswohles getrennt von den Belangen des Elternteils zu betrachten, der das Kind betreut. Unverträglichkeiten zwischen den Eltern lassen sich nach einer gescheiterten Ehe nur selten vollständig vermeiden. In der Regel sind emotionale Verletzungen noch schmerzhaft nah und es entsteht der emotional nachvollziehbare Wunsch nach schadensausgleichender Gerechtigkeit. Ein Kind darf jedoch niemals instrumentalisiert werden.
Besonders verbittert streitende Eltern sollten sich vor Augen halten, dass ein Sorgerechtsstreit, in dem sich beide Elternteile als nicht erziehungsgeeignet präsentieren, dazu führen kann, dass das betroffene Kind in die Obhut des Jugendamts übernommen wird. Wer um das alleinige Sorgerecht für sein Kind streitet, sollte deshalb die Tatsache niemals aus dem Auge verlieren, dass der andere Elternteil für das Kind immer Bedeutung haben wird. Souveränes Erziehungsverhalten zeigt sich, wenn dem Kind gegenüber auf alleinige emotionale Schuldzuweisungen verzichtet wird.
Wird um das alleinige Sorgerecht gestritten, tritt besonders deutlich hervor, dass ein auf Familienrecht spezialisierter Rechtsanwalt nicht nur über Fachkenntnisse verfügen und vor dem Familiengericht Härte zeigen sollte, sondern auch in größeren Zusammenhängen denken muss. Beim Argumentieren muss das Kindeswohl alternativlos in den Vordergrund gestellt werden. Höchste Sachlichkeit ist geboten, wenn die erheblichen Gründe dargelegt werden, die dazu führen, dass dem anderen Elternteil das Sorgerecht aberkannt werden soll.