Familiengutachten im Sorgerecht (familienpsychologisches Gutachten)

Ein familienpsychologisches Gutachten, auch Familiengutachten genannt, wird dann eingeholt, wenn Eltern oder andere Beteiligte sich über Fragen des Sorge- oder Umgangsrechts streiten. Hinzu kommt noch, dass das zuständige Gericht sich nicht in der Lage sieht, die zugrunde liegenden Sachverhalte aufgrund mangelnder psychologischer Fachkenntnis selbständig zu beurteilen. Ausgerichtet wird das Gutachten meist an der Frage des Kindeswohls bzw. einer eventuellen Kindeswohlgefährdung.

Was beinhaltet ein Familiengutachten?

Das familienpsychologische Gutachten beleuchtet die Frage, ob und inwieweit Eltern oder ein Elternteil in ihrer jeweiligen Lebenssituation dazu in der Lage sind, das Sorgerecht für ihr Kind ordnungsgemäß auszuüben. Dabei beschäftigen sich die Psychologen insbesondere damit, welche Bindungen das Kind zu den Elternteilen oder den Geschwistern hat und ob die Eltern grundsätzlich dazu in der Lage sind, die Erziehung für ihr Kind zu übernehmen. Im Rahmen der Erziehungsfähigkeit spielen Aspekte wie die Konfliktfähigkeit der Eltern, inwieweit sie das Kind in seiner Entwicklung fördern und wie emphatisch sie sich gegenüber dem Kind verhalten. Selbstverständlich stellen die Psychologen im Familiengutachten auch die theoretische Frage, welchen Einfluss ein Sorgerecht Entzug oder ein verändertes Umgangsrecht auf das Kind hätte.

Die Ergebnisse des Familiengutachtens werden vom Gericht dazu genutzt, Entscheidungen im Hinblick auf einen etwaigen Sorgerecht Entzug oder andere Sorgerecht Fragen zu treffen.

Wie wird das Familiengutachten konkret durchgeführt?

Zum einen kommt das Familiengutachten auf der Grundlage von Gesprächen zwischen den Eltern und den Psychologen zustande. Ergänzt werden die Einschätzungen der Psychologen zumeist noch durch objektive Testverfahren. Damit das Gutachten die verschiedenen Aspekte des familiären Zusammenlebens besser nachskizzieren kann, werden die Eltern und die Kinder gemeinsam beobachtet. Dies nennt man Interaktionsbeobachtung. Auch der Familie nahestehende Personen, sowie Mitarbeiter des Jugendamts oder Lehrer können im Rahmen der Familiengutachten Interviews zu Wort kommen.

Muss das Kind an der Familiengutachten Begutachtung teilnehmen?

Die Sorgerecht Inhaber können darüber entscheiden, ob ihr Kind an der Erstellung eines familienpsychologischen Gutachtens mitwirkt oder nicht. Das Sorgerecht kann allerdings vom Gericht entzogen werden, wenn der oder die Sorgeberechtigten ihre Teilnahme verweigern und dies zu einer Verhinderung der Aufklärung des Sachverhalts führen könnte. Der Sorgerecht Entzug darf nur dann zur Anwendung kommen, wenn ein Beleg dafür erbracht wird, das eine Nicht-Teilnahme des Kindes an dem Familiengutachten eine Kindeswohlgefährdung verursachen kann.

Wie teuer ist ein familienpsychologisches Gutachten und wer kommt für die Kosten auf?

Bei einem rechtlichen Streit über das Sorgerecht werden die entstehenden Kosten zumeist zwischen den sich miteinander auseinandersetzenden Parteien aufgeteilt. Das Familiengutachten kann in finanzieller Hinsicht enorm zu Buche schlagen. Eine Rechtsschutzversicherung kommt bei Sorgerecht Verfahren nur selten für die Kosten auf. Bevor einer der Parteien in einem Sorgerecht Streit also auf ein Familiengutachten besteht, sollten alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

Die Dauer für die Erstellung eines familienpsychologischen Gutachtens kann variieren und zwischen mindestens 4 bis 12 Monaten liegen.

 

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